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Das Musikjahr 2024: Es kommt etwas ins Rutschen

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Deutschland immer noch seliges Musikland

Der Wind wird rauer auf der Insel der Seligen. Klar, wenn man sich in der Welt so umschaut, da leben wir hier weiterhin auf einem gesegneten Eiland – in Deutschland allgemein, und speziell im Kulturland. „Unsere“ Probleme, die hätte ein ukrainisches Orchester gern; oder die palästinensischen und israelischen Musiker des West-Eastern Divan Orchestra, das mit seinem Verständigungswillen ganz unter die Räder von Terror und Krieg geraten ist. Trotzdem ist im zu Ende gehenden Jahr 2024 auch in Deutschland etwas ins Rutschen gekommen – gesellschaftlich, aber auch in der Kulturpolitik.

Spürbarer Abwärtstrend

Gerade haben die Bayreuther Festspiele aus finanziellen Gründen ihr Programm zum kommenden 150. Jubiläum radikal zusammengestrichen. Mancher wird vielleicht finden, diese eigenartigen Wagnerianer da hatten eh zu viel Geld. Aber das geht am Kern der Sache vorbei. Das gilt auch für die klammheimliche Befriedigung, wenn im notorischen Verschwende-Stadtstaat Berlin, statt strukturelle Probleme anzugehen, faul und brutal mit Kettensäge und Vorschlaghammer im gekürzt wird. Weit überproportional ist der Anteil, den im Berliner Sparprogramm die Kultur tragen muss. Weil in großen Opernhäusern und Konzerthäusern die meisten Kosten fix sind, werden die nötigen Einsparungen zudem komplett an sogenannte „freie Künstler“ durchgereicht, also an die Jungen, die Experimentellen und Innovativen, die zugleich oft prekäre Hungerleider sind.

Der Tonfall ändert sich

Ins Rutschen gekommen ist aber auch etwas im Sprechen über Kultur. „Der unendliche Strom an Subventionen in den Kulturbereich wird sich künftig etwas verringern.“ So äußerte sich wörtlich der Berliner Finanzsenator von der CDU – ein hämischer Tonfall, wie man ihn sonst von politischen Rändern kennt. Und der regierende Bürgermeister Kai Wegner sagte, es sei unfair, wenn „Kassiererinnen“ mit ihren Steuern die Oper finanzieren würden, in die sie ja wohl eh kaum gehen würden. So einen Tonfall gab es früher in der seriösen Politik nicht, ich finde das richtig schlimm.

Berliner Ungeist

Man spricht nicht mehr von „Kulturförderung“, sondern von dubiosen „Subventionen“. Und verabschiedet sich mal so eben vom Ideal „Kultur für alle“. Das ist jetzt nix mehr für Kassiererinnen, sondern nur mehr für Gutverdiener. Man kann nur hoffen, dass dieser Berliner Ungeist nicht Modell steht für das, was in den nächsten Jahren in ganz Deutschland auf die Kultur zukommen wird.

Verdienstvolle Herren schreddern ihr Vermächtnis

Und noch mehr Problematisches gab es 2024, wie zum Beispiel die Parallelaktion von John Eliot Gardiner. Der flog im Sommer, nachdem er ein paar Monate zuvor gegen einen Sänger gewalttätig geworden war, endgültig aus seinen eigenen Ensembles. Daraufhin gründete er überraschend ein neues Ensemble, mit dem er gerade gegen seine Nachfolger antritt, mit exakt denselben Konzertprogrammen. Überhaupt, gibt es gewisse verdienstvolle Herren der alten Musik, die ihr eigenes Vermächtnis zu schreddern drohen. Auch der Dirigent Jos van Immerseel musste wegen aggressiven Verhaltens sein Orchester Anima Eterna Brugge verlassen. Und beim SWR wird die Personalie François-Xavier Roth weiterhin diskutiert.

Trotzdem: Jeden Tag schöne Kulturmomente

Oje, gab es denn im Kulturjahr 2024 gar nichts, was einfach schön war? Aber doch, jede Menge, jeden Tag! Zu meinen persönlichen Entdeckungen gehörten zwei großartige Opern von Komponistinnen: eine über 100 Jahre alte von Ethel Smyth, die im thüringischen Meiningen und in Karlsruhe aufgeführt wurde, und eine ganz aktuelle von der kürzlich verstorbenen Kaija Saariaho in Gelsenkirchen. Überhaupt, es lebe die sogenannte Provinz! Und dass es 2024 jubiläumsbedingt relativ viel Musik vom einzigartigen Charles Ives zu hören gab, war für mich wie ein Geschenk. Wenn Sie diesen sonderbaren amerikanischen Komponisten bisher verpasst haben, dann freuen Sie sich: Die Entdeckung von Ives liegt noch vor Ihnen. Mich entführt Musik von Ives zuverlässig auf die Insel des seligen Hörglücks.
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Der Wind wird rauer auf der Insel der Seligen. Klar, wenn man sich in der Welt so umschaut, da leben wir hier weiterhin auf einem gesegneten Eiland – in Deutschland allgemein, und speziell im Kulturland. „Unsere“ Probleme, die hätte ein ukrainisches Orchester gern; oder die palästinensischen und israelischen Musiker des West-Eastern Divan Orchestra, das mit seinem Verständigungswillen ganz unter die Räder von Terror und Krieg geraten ist. Trotzdem ist im zu Ende gehenden Jahr 2024 auch in Deutschland etwas ins Rutschen gekommen – gesellschaftlich, aber auch in der Kulturpolitik.

Spürbarer Abwärtstrend

Gerade haben die Bayreuther Festspiele aus finanziellen Gründen ihr Programm zum kommenden 150. Jubiläum radikal zusammengestrichen. Mancher wird vielleicht finden, diese eigenartigen Wagnerianer da hatten eh zu viel Geld. Aber das geht am Kern der Sache vorbei. Das gilt auch für die klammheimliche Befriedigung, wenn im notorischen Verschwende-Stadtstaat Berlin, statt strukturelle Probleme anzugehen, faul und brutal mit Kettensäge und Vorschlaghammer im gekürzt wird. Weit überproportional ist der Anteil, den im Berliner Sparprogramm die Kultur tragen muss. Weil in großen Opernhäusern und Konzerthäusern die meisten Kosten fix sind, werden die nötigen Einsparungen zudem komplett an sogenannte „freie Künstler“ durchgereicht, also an die Jungen, die Experimentellen und Innovativen, die zugleich oft prekäre Hungerleider sind.

Der Tonfall ändert sich

Ins Rutschen gekommen ist aber auch etwas im Sprechen über Kultur. „Der unendliche Strom an Subventionen in den Kulturbereich wird sich künftig etwas verringern.“ So äußerte sich wörtlich der Berliner Finanzsenator von der CDU – ein hämischer Tonfall, wie man ihn sonst von politischen Rändern kennt. Und der regierende Bürgermeister Kai Wegner sagte, es sei unfair, wenn „Kassiererinnen“ mit ihren Steuern die Oper finanzieren würden, in die sie ja wohl eh kaum gehen würden. So einen Tonfall gab es früher in der seriösen Politik nicht, ich finde das richtig schlimm.

Berliner Ungeist

Man spricht nicht mehr von „Kulturförderung“, sondern von dubiosen „Subventionen“. Und verabschiedet sich mal so eben vom Ideal „Kultur für alle“. Das ist jetzt nix mehr für Kassiererinnen, sondern nur mehr für Gutverdiener. Man kann nur hoffen, dass dieser Berliner Ungeist nicht Modell steht für das, was in den nächsten Jahren in ganz Deutschland auf die Kultur zukommen wird.

Verdienstvolle Herren schreddern ihr Vermächtnis

Und noch mehr Problematisches gab es 2024, wie zum Beispiel die Parallelaktion von John Eliot Gardiner. Der flog im Sommer, nachdem er ein paar Monate zuvor gegen einen Sänger gewalttätig geworden war, endgültig aus seinen eigenen Ensembles. Daraufhin gründete er überraschend ein neues Ensemble, mit dem er gerade gegen seine Nachfolger antritt, mit exakt denselben Konzertprogrammen. Überhaupt, gibt es gewisse verdienstvolle Herren der alten Musik, die ihr eigenes Vermächtnis zu schreddern drohen. Auch der Dirigent Jos van Immerseel musste wegen aggressiven Verhaltens sein Orchester Anima Eterna Brugge verlassen. Und beim SWR wird die Personalie François-Xavier Roth weiterhin diskutiert.

Trotzdem: Jeden Tag schöne Kulturmomente

Oje, gab es denn im Kulturjahr 2024 gar nichts, was einfach schön war? Aber doch, jede Menge, jeden Tag! Zu meinen persönlichen Entdeckungen gehörten zwei großartige Opern von Komponistinnen: eine über 100 Jahre alte von Ethel Smyth, die im thüringischen Meiningen und in Karlsruhe aufgeführt wurde, und eine ganz aktuelle von der kürzlich verstorbenen Kaija Saariaho in Gelsenkirchen. Überhaupt, es lebe die sogenannte Provinz! Und dass es 2024 jubiläumsbedingt relativ viel Musik vom einzigartigen Charles Ives zu hören gab, war für mich wie ein Geschenk. Wenn Sie diesen sonderbaren amerikanischen Komponisten bisher verpasst haben, dann freuen Sie sich: Die Entdeckung von Ives liegt noch vor Ihnen. Mich entführt Musik von Ives zuverlässig auf die Insel des seligen Hörglücks.
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