Die Science-Fiction „Nope“ von Jordan Peele: So öde wie die kalifornische Wüste

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Was man sieht, entscheidet über alles

Die Frage aller Fragen im Kino – und natürlich im Leben: „Was hast du gesehen?“ Denn was man sieht, was man erkennt, das entscheidet nicht selten über alles. Ziemlich mieses Business. Zudem ist der Vater der beiden bei einem merkwürdigen Unfall ums Leben gekommen: Eine aus dem Himmel fallende Fünf-Cent-Münze durchbohrte einen seiner Augäpfel. Jetzt, ein halbes Jahr später, hat OJ, dieser wortkarge Pferdetrainer, da oben etwas gesehen.

Der erste Impuls: Aus der Erscheinung Geld machen

Kurzum: In einer feststehenden Wolke über der Pferde-Ranch verbirgt sich die fliegende Untertasse einer außerirdischen Intelligenz. Und wie die Fünf-Cent-Münze fallen immer wieder merkwürdige Alltagsgegenstände aus dem Himmel. Willkommen im Jordan-Peeleschen-Horror- und Science-Fiction-Thriller, willkommen in „Nope“, dieser Achterbahnfahrt durch diverse Subtexte, Bedeutungsebenen und Schocks, die die Story bereithält. Zunächst ist da das Bedürfnis der beiden Geschwister, die alles andere als ängstlich sind, aus den Erscheinungen Kohle zu machen. Um so die Ranch zu retten. Schwester Emerald ist sich sicher:
„Wenn man es richtig macht, es richtig veröffentlicht, Mann, dann ist man für immer reich und berühmt.“

Quelle: Emerald (Keke Palmer)

Zahlreiche Diskurse über unsere Zeit

Dazu muss man allerdings Bilder haben, doch da die Alien-Wolke Strom und Internet immer wieder ausfallen lässt, funktioniert kein digitales Gerät, sondern nur analoge Kameras – schön mit Handkurbel. Was Jordan Peele die Gelegenheit gibt, eine Digital-Analog-Kontroverse bzw. Kulturkritik einzuflechten in seinen klassischen B-Movie-Alien-Invasion-Plot. Wenn OJ und Emerald, gespielt von Daniel Kaluuya und Keke Palmer, sich dann aufmachen zum Kampf gegen die tödlichen Fremden, dann wirkt „Nope“ wie Spielbergs „Weißer Hai“ in der Luft und gleichzeitig – noch mal Spielberg – als dunkle Variante von „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“. „Wolke“ übrigens können wir natürlich mit „cloud“ übersetzen, und damit wären wir bei einem weitern Diskurs über unsere Zeit. Gefährliche Cloud! Dann ist da noch die Tatsache, dass auf der Unterseite des Alien-Raumschiffes die Menschen durch eine augenartige Öffnung aufgesogen werden – Auge: Kino, Film.

Hat der Film selbst die Spektakel-Struktur, die er kritisiert?

Dann gibt es noch dieses: Nur wer nicht auf die Untertasse starrt, also nicht hinguckt, wird nicht sofort eingesaugt und verschlungen. Was „Nope“ schließlich auch zum kritischen Diskurs auf das gierige Schauen in unserer medialen Bilder-Kultur werden lässt, wo alles zum Spektakel zu werden hat. Das sei sein Thema verbunden mit der Frage, was passiere, wenn dann noch das Geld hinzukomme. Aber hat „Nope“, Peeles Film, nicht eben genau diese Spektakel-Struktur, die der Filmemacher kritisiert? Inhaltlich wie dramaturgisch?

Öde und leer

Außerdem: All die Subtexte, vom afroamerikanischen Selbstbewusstsein bis zur „cloud“-Metapher, lassen den Film allerdings nicht zu einer Einheit werden, sondern ihn ausfransen. Und ob OJ und Emerald von den Aliens verschlungen werden oder nicht, das bewegt uns schlussendlich nicht wirklich. „Was hast du gesehen?“ Fragt Emerald am Anfang. Unsere Antwort nach dem Schauen von „Nope“: Ideen, Diskurse, Themen, die die Alien-B-Movie-Story als Aufhänger nimmt. Und am Ende wirkt alles öde und leer wie die kalifornische Wüste.

Der Trailer zu „Nope“ von Jordan Peele:

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